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Anfrage

Die Zahl der übergewichtigen Kinder nimmt stetig zu. Übergewicht und fehlende körperliche Aktivität geben täglich mehr Anlass zur Sorge. Eine neuere Studie kommt zum Schluss, dass sich die Zahl der übergewichtigen Kinder in unserem Land im Laufe des letzten Jahrzehnts anhaltend vergrössert hat. Gemäss Bundesamt für Gesundheit haben nur zwei Drittel der Kinder ein gesundes Körpergewicht, und dieses Verhältnis wird immer kleiner. Neben dem Bundesamt für Gesundheit schlagen auch die Weltgesundheitsorganisation und Ärztegesellschaften Alarm: sie sehen im Übergewicht eines der dringlichsten Gesundheitsprobleme unserer Gesellschaften und sprechen sogar von einer eigentlichen Epidemie. Ernährungsfachleute, Ernährungsberaterinnen, Ernährungsberater und Ärzte sind sich darin einig, dass ausgewogene Ernährung und ein Quantum an körperlicher Aktivität für die Gesundheit wesentlich sind. Gesunde Ernährung zusammen mit körperlicher Aktivität müsste demzufolge die Gesundheitskosten reduzieren helfen. Um diese Problematik in den Griff zu bekommen, müssten Kinder und Jugendliche vermehrt über Ernährung im weiteren Sinn, aber auch über Konsum allgemein informiert werden. Dies setzt nicht nur ausgewogene Ernährung mit deren positiven Folgen voraus, sondern auch Information über die Eigenschaft der verschiedenen Lebensmittel, ihre Herstellung, ihre Herkunft und ihren Einfluss auf die Umwelt. Ernährung ist mehr als blosse Nahrungsaufnahme; dies müsste zur Sprache kommen, umso mehr als Kinder oft die Herkunft eines Nahrungsmittels nicht mehr kennen und es nur noch mit dem Grossverteiler in Verbindung bringen, wo es gekauft wird. Dieses Programm könnte der Schulstufe angepasst werden. Dazu könnte auch die Preisentwicklung eines Produkts oder einer Dienstleistung gehören, die Rechte des Konsumenten und Informationen, die vernünftige Entscheidungen ermöglichen uws.

Am 1. Juli 1971 ist der Kanton Freiburg per Dekret dem Konkordat über die Schulkoordination beigetreten, dem auch die französischsprachigen Kantone und der Kanton Tessin angehören. Die Rahmenlehrpläne werden seit den Siebzigerjahren regelmässig von der Interkantonalen Kommission der Westschweiz Rahmenlehrplan (PECARO) hervor, dass die Lernprogramme wegen der Entwicklung von Schule, Schülern, Didaktiken, Kompetenzen und vielfachem Zugang zu Wissen aktualisiert werden müssen. Seit Ende Januar dieses Jahres ist die revidierte Form des PECARO bei den Erziehungsdirektionen der Konkordatskantone in Vernehmlassung. Der Rahmenlehrplan muss anschliessend von der interkantonalen Kommission genehmigt werden und Anfang 2005 engültig in Kraft treten.

Auf dieser Grundlage frage ich den Staatsrat:

  1. Teilt er die Sorgen und Einschätzungen des Unterzeichneten?
  2. Will er im Rahmen des laufenden Vernehmlassungsverfahrens über den PECARO fordern, dass Ernährung, Ausgewogenheit, Eigenschaften der Lebensmittel, ihre Herstellungsart, ihre Herkunft und ihr Einfluss auf die Umwelt einbezogen werden?
  3. Über welche gesetzgeberische Autonomie verfügen wir beim kantonalen Lehrplan zu einem bestimmten Thema angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Konkordat über die Schulkoordination handelt, dem unser Kanton per Dekret beigetreten ist? Falls wir über eine solche Autonomie verfügen: welche Gesetzesgrundlagen gibt es dafür?
  4. Falls wir beim kantonalen Lehrplan nicht autonom gesetzgeberisch wirken können, weil wir per Dekret an das Konkordat gebunden sind: wird der Grosse Rat angehört, kann er sich äussern, Einfluss ausüben, zum neuen Lehrplan Stellung nehmen? Wenn ja: welche Schritte werden dann unternommen?

Antwort des Staatsrats

Am 1. Juli 1971 hat der Grosse Rat dem Beitritt des Kantons Freiburg zum Konkordat über die Schulkoordination vom 29. Oktober 1970 zugestimmt (SGF 416.1),  dem heute alle Kantone mit Ausnahme des Kantons Tessin (der dem Konkordat auf Grund seiner Schulstruktur nicht beigetreten ist, aber an allen Arbeiten teilnimmt) angehören. In diesem Konkordat werden mehrere Verpflichtungen festgehalten: Schuleintrittsalter, Dauer der Schulpflicht, Dauer der Ausbildung bis zur Maturität und Schuljahrbeginn; werden Empfehlungen werden ausgearbeitet und der Grundsatz der Interkantonalen Zusammenarbeit bekräftigt. Zwei Organe erhalten eine Rechtsgrundlage: die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) und die Regionalkonferenzen. Der Kanton Freiburg ist Mitglied der Interkantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz der Westschweiz und des Tessins (CIIP) und der Nordwestschweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz (NWEDK).

Anfangs 2004 hat die CIIP den Lehrplan PECARO in Vernehmlassung gegeben. Ziel ist die Erneuerung des Lehrplans von 1989 mit der Koordination eines Ausbaus von Kindergarten und Schule. PECARO ist ein eigenständiges, ausgewogenes Bildungsprogramm für Kindergarten und obligatorische Schule. Er legt die unerlässlichen Mindestanforderungen fest, die der Schüler erfüllen muss; gleichzeitig ermöglicht er ihm, sich weit darüber hinaus zu entwickeln. Er strebt eine Systematisierung der verschiedenen erzieherischen Aspekte an und erwähnt die zu erreichenden übergreifenden Kompetenzen. Nachdem diese Anhaltspunkte festgelegt sind, liegt es bei den Kantonen und Schulen, die Programme für jedes Fach und jede Stufe auf der Durchführungsebene auszuarbeiten und örtliche Vorraussetzungen einzubeziehen. PECARO ist der Freiburger Lehrerschaft mehrmals, der Parlamentariergruppe "Erziehung und Bildung" des Grossen Rates am 5. Mai 2004 und der Kommission für auswärtige Angelegenheiten am 28. Mai 2004 vorgestellt worden. Nach Abschluss der technischen Phase der Vernehmlassung wird grundsätzlich ein interkantonales Projekt ausgearbeitet. Die Parlamente werden gemäss den Bestimmungen der "Convention des conventions" einbezogen.

Nach diesen Ausführungen beantwortet der Staatsrat die Fragen wie folgt.

  1. Artikel 2 Abs. 1 Schulgesetz legt fest: "Die Schule unterstützt die Eltern in der Ausbildung und der Erziehung ihrer Kinder". Die Ernährung fällt somit in erster Linie in die Verantwortung der Familie. Die Erwähnung dieses grundlegenden Punkt erscheint uns wichtig.
    Im Kindergarten und in den ersten Jahren der obligatorischen Schule arbeiten die Kinder im Rahmen der Aktivitäten zur Erforschung der Umwelt an der Entwicklung der verschiedenen Wahrnehmungen von Geruchs- und Geschmackssinn. Hier entdecken sie ebenfalls Themen im Zusammenhang mit der Ernährung. Die Lehrpersonen die Lehrperson sind sich zudem im Rahmen der körperlichen Aktivität dem Thema Ernährung bewusst. Es kann hier keine vollständige Liste erstellt werden, weil jede Lehrperson sich bei der Themenwahl nach Erlebnissen und Interessen der Kinder richtet.
    In der Primarschule wird das Thema Ernährung oft im Unterricht behandelt. In verschiedenen Schulkreisen finden gemeinsame Morgenessen in der Schule sowie Besuche bei landwirtschaftlichen Betrieben zur Förderung der Kenntnisse über die Herkunft gängiger Lebensmittel statt. Schliesslich führen einige Schulen in enger Zusammenarbeit mit den Eltern Projekte im Zusammenhang mit der Ernährung durch. Seit das Konzept "allgemeine Erziehung" eingeführt wurde, können die Lehrpersonen im Rahmen dessen Teils "Gesund leben" Ernährungsthemen behandeln. Im naturwissenschaftlichen Programm der vierten, fünften und sechsten Klasse kommen verschiedene Themen, die mit Ernährung und Gesundheit zusammen hängen, direkt oder indirekt zur Sprache. Dabei wird stets die Bedeutung einer gesunden Ernährung ins Bewusstsein gebracht.
    In der Orientierungsschule werden die meisten Ernährungsfragen in der Biologie und natürlich im Hauswirtschaftsunterricht behandelt. Es gibt zwei eng miteinander verbundene Perspektiven: Ernährungslehre und Kochpraxis. Im theoretischen Ausbildungsteil wird auf die direkte Beziehung zwischen Ernährung und Gesundheit hingewiesen. Im praktischen Teil kommen die verschiedene Aspekte bei der Zubereitung eines Gerichts oder einer Mahlzeit: Wahl der Nahrungsmittel, Arbeitsplanung, Technik, Handhabung der Geräte.
    In diese beiden Perspektiven fliessen auch Hinweise auf kulturelle Unterschiede, das Zusammenleben, die Rolle des mündigen Konsumenten, die Hygiene und den Umweltschutz ein. Die Kurse ziehen eher auf die Bedürfnisse der Jugendliche als auf den Haushaltsbegriff; sie sollen gesunde Ernährungsgewohnheiten fördern, den Sinn für natürliche Produkte wecken und Lust auf die Zubereitung schmackhafter Gerichte machen. Verschiedene Themen werden behandelt: Sporternährung, Frühstück, Zwischenmahlzeit, Fastfood, fragwürdige Diäten usw. Jugendliche, die ihre Ernährungsbedürfnisse, den Wert der Nahrungsmittel und ihre gesundheitlichen Auswirkungen kennen, können die grössten Fehler vermeiden.
    Von den ersten Schulklassen an bis zur Orientierungsschule erwerben Kinder und Jugendliche in diesen Stunden einen kritischen Blick auf die Vielfalt der von Handel und Industrie angebotenen Produkte. In diesem Sinn werden die Themen eher allgemein behandelt, im Sinne der Anfrage von Grossrat Bourgeois. Die Behandlung der Fragen im Zusammenhang mit der Nährung fördert das Bewusstsein der Bedeutung einer abwechslungsreichen, gesunden Ernährung, die zu Wohlbefinden augrund eines gesunden Lebensstils führt.
  2. Der Bereich "Körper und Bewegung" im PECARO (siehe Kapitel 8 auf der Homepage http://www.ciip.ch/ciip/pages/navigation_entetes/som_domainesact.htm) sieht mit Zielen und Inhalten im Zusammenhang mit den Zielsetzungen der öffentlichen Schule die Bewegung (Handlung) als Auslöser der Entwicklung der körperlichen, kognitiven, affektiven und sozialen Fähigkeiten und entwickelt das praktische Wissen, das zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung hinführen soll. Dazu gehört auch die Problematik der freien Entscheidung, die mündige Konsumenten treffen können.
    Mit der sitzenden Lebensweise der Bevölkerung, den schlechten Lebensgewohnheiten und der sich daraus ergebenden allgemeinen Probleme ist das Kapitel "Körper und Bewegung" dazu geeignet, die körperliche und seelische Gesundheit zu fördern. Beim Schüler soll ein aktives Verantwortungsgefühl für den eigenen Körper, den Mitmenschen und die Umwelt geweckt werden. In vorbeugendem Sinne fördern die darin enthaltenen Vorschläge eine verantwortliche Einstellung, womit risikoreiches Verhalten, Unfälle und Entgleisungen insbesondere beim Sport (Doping, Gewalt...) und bei der Ernährung (Anorexie, Bulimie...) eingeschränkt werden können.
    Im Laufe der drei Schulzyklen werden die Schüler in zunehmender und immer komplexerer Weise dazu veranlasst, Lebensmittel zu entdecken, mehr über Nährstoffe zu erfahren, die grundlegenden Kenntnisse einer ausgewogenen Ernährung kennen zu lernen, die den Bedürfnissen des Organismus angepasst ist. Die wichtigsten Lernziele betreffen die Erziehung zur Gesundheit, zum Konsum und zur Umwelt. Daneben sind übergreifende Aktivitäten aufzubauen und zu entwicklen, Projekte, Ferienlager, Sporttage usw.
    Die auf allen Schulebenen integrierte Ernährungserziehung entspricht den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit, insbesondere dem Projekt "Gute gesunde Schule", und im Rahmen von CIIP dem Leitbild "EDUPRE" (Ausbildung zur Gesundheit und Vorbeugung).
    Die Frage der Herstellung von Lebensmitteln mit Schwerpunkt auf eine nachhaltige Entwicklung, die die schweizerische Landwirtschaftspolitik kennzeichnet, und der potenziellen Umwandlung von landwirtschaftlichen Grundprodukten erscheint in denjenigen Bereichen von PECARO, die zunächst den Naturwissenschaften gewidmet sind: Erforschung der Vielfalt des Lebens und Studium der Techniken. Anschliessend wird die Beziehung Mensch-Raum behandelt. Zum Schluss geht es um Allgemeinbildung (Abschnitt "Umwelt"). Die Kinder sollen wissen, aus welchen Rohstoffen die Nahrungsmittel sind, die sie konsumieren, oder die Produkte, die sie benutzen, und welcher Weg bis zum Endprodukt zurückgelegt werden muss.
    Es ist daher nicht nötig, von den PECARO-Autoren zu fordern, dass sie die allgemeinen Themen "gesunde Ernährung" und "Analyse der Herstellung von Nahrungsmitteln" einbeziehen, da diese in mehreren der fünf Bereiche des Rahmenlehrplans schon einen breiten Raum einnehmen. Gleichzeitig können die Kantone den Lehrplan zu 10 % selber gestalten.
  3. und 4. Während das Schulgesetz, das vorwiegend die Ziele der obligatorischen Schule festlegt, im Grossen Rat verabschiedet wird, werden die Rahmenlehrpläne und kantonalen Lehrpläne, die als Ausführungsbestimmungen die Vorschriften des Schulgesetzes erfüllen müssen, von der Direktion für Erziehung, Kultur und Sport aufgestellt. Im vorliegenden Fall wünschen die Mitgliedskantone der CIIP, dass PECARO nicht nur pädagogische Massstäbe setzen soll, sondern auch zur Harmonisierung der kantonalen Lehrpläne beiträgt. Dieser Ausbau der Schulkoordination in der französischen Schweiz muss von den Kantonsparlamenten abgesegnet werden. In diesem Sinne planen die kantonalen Erziehungsdirektionen den Entwurf einer interkantonalen Vereinbarung. Diese wird gemäss den Grundsätzen der "Convention des conventions" den kantonalen Parlamenten im Entwurfsstadium vorgelegt werden.