Skip to content

Anstieg des Stahlpreises: Welche Priorität wird dem Holz beim Bau von öffentlichen Bauten und bei der Installation von Heizungen eingeräumt?

Anfrage

So wie das Fass Rohöl verzeichnete auch der Stahl einen Preisschub. Gemäss Schweizerischem Stahlhandelsverband stieg der Grundpreis für eine Tonne Armierungsstahl von 466 Franken (Februar 2004) auf 841 Franken (Mai 2004), was einem Anstieg von 80% entspricht. Noch ist leider keine Trendwende auszumachen. Als Folge steigen die Kosten für Bauten, für welche hauptsächlich Stahlbeton verwendet wird.

Im Sachplan Energie hat sich der Staat unter anderem zum ziel gesetzt, den Anteil an erneuerbaren Energien für die Wärme- und Elektrizitätserzeugung bis im Jahr 2010 auf 4% zu erhöhen (ohne Wasserkraft). Ausserdem hält der Staatsrat in seiner Antwort vom 8. Juli 2003 auf die anfrage von Grossrat Josef Fasel, welche die Energiegewinnung aus Biomasse zum Thema hat, fest:

„Wie aus dem Sachplan Energie hervorgeht, stellt Holz ein bedeutendes Potential für die Entwicklung und die Gewinnung von Energie aus Biomasse dar.
Aus forstwirtschaftlicher Perspektive ist es wichtig die Holznutzung zur Energiegewinnung wesentlich zu fördern. So wird es möglich sein, einen Teil der Produktion unserer Wälder zu verwerten und die Bewirtschaftung des Waldes gemäss dem Sachplan Energie zu rationalisieren.“

Im kantonalen Richtplan wird hervorgehoben, dass die Holznutzung – in all seinen Formen – dazu beiträgt, erneuerbare Rohstoffe aus der Region aufzuwerten. Es ist unbestritten, dass der Wald für Wirtschaft und Umwelt, als Erholungsgebiet und für den Schutz vor Naturereignissen eine Rohstoffs Holz zu erhöhen und dessen Nutzung zu fördern.
Der Staatsrat subventioniert zahlreiche öffentliche Bauten. Dabei sollte er darauf achten, dass seine Vorgaben eingehalten und seine Ziele erreicht werden.

Deshalb und im Bestreben, unser Holz optimal zu nutzen, habe ich angesichts der verschiedenen laufenden Baustellen, wie die zukünftige OS Avry, folgende Fragen an den Staatsrat:

<!--[if !supportLists]-->a)      <!--[endif]-->Hat der Staatsrat in Anbetracht des Stahlpreises beim Bau von subventionierten öffentlichen Bauten und der Installation von Heizungen Vorkehrungen getroffen – oder gedenkt er dies zu tun -, damit in erster Linie und zu mehr oder minder konkurrenzfähigen Preisen erneuerbare Rohrstoffe aus der Region, insbesondere Holz, verwendet werden?

<!--[if !supportLists]-->b)      <!--[endif]-->Wenn dem so ist, welche Vorkehrungen hat er getroffen bzw. wird er treffen?

Antwort des Staatsrats

Einleitend möchte der Staatsrat hinweisen, dass zwischen der Nutzung des Holzes als Baustoff und derjenigen zur Gewinnung von Heizenergie unterschieden werden muss.

Holz als Baustoff

Der Anstieg des Stahlpreises hat kaum Einfluss auf die Kosten für laufende Bauobjekte (siehe Antwort des Staatsrats auf die Anfrage von Elian Collaud Nr. 728.04 über die Stahlprobleme). Bei allen Gebäuden, die der Kanton erstellen lässt, wird sowohl für die tragenden Elemente als auch für die Verkleidung reichlich Holz verwendet. Dies war neulich augenscheinlich, als die Gebäude der KDMS eingeweiht wurden. Zudem ist es aus den verschiedenen Botschaften zu den Dekreten ersichtlich, welche den Bau der Universität auf der Pérolles-Ebene oder das Interkantonale Gymnasium der Region Broye in Payerne betreffen.

Die Förderung der Verwendung von Holz bei öffentlichen Bauten ist im Gesetz vom 2. März 1999 über den Wald und den Schutz vor Naturereignissen (WSG) festgeschrieben. Artikel 63 besagt:

1 Der Staat kann die Massnahmen unterstützen, die zur Restrukturierung und Stärkung der für die Erhaltung der Waldfunktionen erforderlichen Forstbetriebe unentbehrlich sind, wenn deren Existenz bedroht ist.

2 Der Staat unterstützt die Anstrengungen zur vermehrten Verwendung von einheimischem Holz, insbesondere als Rohstoff und als Energiequelle, indem er die einschlägigen Befugnisse auf der Ebene der Berufsbildung, der höheren technischen Berufsausbildung und Nachdiplomausbildung und der Weiterbildung erweitert und innovative Projekte für die Holzverwertung und neue Technologien unterstützt.

3 Der Staatsrat erlässt Weisungen über die Verwendung von Holz bei allen öffentlichen Bauten, an denen sich der Staat finanziell beteiligt.

4 Der Staat fördert die Tätigkeit der Organisationen, die die Waldwirtschaft und die Verwendung von einheimischem Holz fördern.

Und im Reglement vom 11. Dezember 2001 über den Wald und den Schutz vor Naturereignissen (WSR), Artikel 59, heisst es über die Verwendung von Holz:

1 Bei Bauvorhaben, bei denen der Staat Bauherr oder finanziell beteiligt ist, muss jeweils eine zweckmässige Verwendung von Holz als Baustoff oder Energiequelle berücksichtigt werden.

2 Der Staat sorgt für die Einführung von speziellen Holzkursen in Lehrgängen der entsprechenden Berufsbildung, für die er verantwortlich ist.

Als Baustoff wird Holz hauptsächlich für Montagebau, Fenster, Schreinereiarbeiten, Deckenverkleidungen, Wände und Böden verwendet.

Bei allen Projekten werden Vergleichsstudien angestellt und die Entscheidungen in voller Kenntnis der Sachlage gefällt. Was die vom Staat subventionierten Gebäude betrifft: Die Wahl der baulichen Massnahmen ist Sache der Gemeinden bzw. der Gemeindeverbände, welche dementsprechend die volle Verantwortung für Ihre Entscheide tragen.

Der Staatsrat wird demnächst die Weisungen erlassen, die im Artikel 63 Abs. 3 WSG vorgesehen sind, um so der Verwendung von Holz im Bau Gestalt zu geben.

Holz als Brennmaterial

Als Brennmaterial weist Holz zahlreiche Vorteile auf, die denn auch im Sachplan Energie hervorgehoben werden. Würde das gesamte Potenzial der Holzenergie ausgeschöpft, würde das Holz einen grossen Beitrag zur Erreichung der für 2010 festgelegten Ziele leisten (Erhöhung des Wärmeanteils, der mittels erneuerbarer Energie erzeugt wird, um 80 GWh/a). Die wichtigsten Vorzüge der Holzenergie sind: Abnahme der Abhängigkeit vom Ausland, Diversifizierung der Energieversorgung, Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen an Ort, Aufwertung von Forsterzeugnissen, Waldpflege und Reduktion des CO2-Ausstosses.

In den letzten Jahren wurden pro Jahr drei bis fünf Installationen mit einer Leistung von mehr als 100 kW pro Einheit fertig gestellt, was einer durchschnittlichen Jahresgesamtleistung von ungefähr 2 000 kW entspricht. In der Regel handelt es sich um Anlagen der Gemeinden, in denen Holz aus den eigenen Wäldern in Form von Holzschnitzeln verbrannt wird, oder um Anlagen der Holzindustrie, in denen auf diese Weise Nebenprodukte verwertet werden. Ausserdem registriert das Amt für Verkehr und Energie (VEA) pro Jahr rund hundert Anfragen für die Einrichtung von Anlagen mit einer Leistung von unter 100 kW. Damit werden jährlich Kleinanlagen für eine Gesamtleistung von rund 2 000 kW installiert. Mit andern Worten, kantonswelt werden jedes Jahr Holzheizanlagen für eine kumulierte Leistung von zirka 4 000 kW installiert. Dadurch können umgerechnet 800 000 Liter Heizöl ersetzt werden.

Diese ermutigenden Resultate wurden dank der kantonalen Energiepolitik erreicht, die im Energiegesetz vom 9. Juni 2000 und im Energiereglement vom 5. März 2001, welches das VEA als Vollzugsbehörde vorsieht, definiert ist. Darin wird insbesondere festgehalten, dass der Staat in seiner Energiepolitik die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien zum Ziel hat; von den öffentlichen Körperschaften verlangt, dass sie betreffend Nutzung erneuerbarer Energien mit gutem Beispiel vorangehen, und den Gemeinden zusätzlich vorschreibt, kommunale Energiepläne zu erstellen; Gebäude mit einem Anteil von mindestens 50 % erneuerbarer Energie am Energiebedarf von der Heizkosten-Abrechnungspflicht befreit; neue Holzheizungen subventioniert; Machbarkeitsstudien für öffentliche Körperschaften finanziert, die Holzheizungen installieren möchten; Öffentlichkeit, Behörden sowie Berufsleute über die Notwendigkeit der Nutzung von einheimischen und erneuerbaren Energien informiert und ihnen beratend zur Seite steht.

Aus diesen Gründe, und weil die Nutzung des Holzes als Energiequelle immer mehr an Bedeutung gewinnt, beabsichtigt der Staat seine Bemühungen in diesem Sinne aufrecht zu erhalten. In den kommenden Jahren wird zudem die Förderung von Pelletfeuerungen einen Schwerpunkt der Energiepolitik bilden; denn damit kann die Anwendung des Holzes als Energiequelle auf Gebäude mit kleinem oder mittlerem Energieverbrauch ausgeweitet werden. Eine kürzlich realisierte Marktstudie, die von Holzenergie Schweiz und von den Energiefachstellen der Westschweizer Kantone in Auftrag gegeben wurde, legte ein grosses Wachstumspotenzial für diese Nebenprodukte der Holzindustrie offen.

Schlussbemerkung

Das Anliegen des Grossrats Bourgeois, Holz als Baustoff und als Brennmaterial auf angemessene Weise zu verwenden, wird vom Staatsrat geteilt. Der Staatsrat stellt fest, das Holz in unserem Kanton bereits häufig eingesetzt wird. Die Kantonsregierung wird demnächst die Weisungen über die Verwendung von Holz erlassen, doch muss sie zugleich darauf hinweisen, dass der Staat häufig keinen Einfluss auf bautechnische Entscheidungen nehmen kann, weil die Gemeinden und Gemeindeverbände diesbezüglich weitgehend autonom sind. Zudem darf nicht vergessen werden, dass die Verwendung anderer Materialien je nach Projekt angebrachter sein kann.